Hat der APS-C-Sensor eine Zukunft?
Ich bin im Besitz von zwei (drei, wenn man die IR-umgerüstete Canon 550D mitzählt) Kameras mit APS-C-Sensoren. Das ist eher Zufall als Absicht und hat mich zum Nachdenken gebracht. Hat der APS-C-Sensor entgegen der landläufigen Meinung eine Zukunft?
Inhaltsübersicht
Was sind die gängigsten Sensorformate?
Die am häufigsten verwendeten Sensorformate sind (in absteigender Reihenfolge) Mittelformat, Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds.
Das Mittelformat ist bei Profis sehr beliebt, Vollformat findet sich bei vielen DSLRs und spiegellosen Kameras, z. B. Canon R5, Canon 5D.
APS-C ist auch in vielen DSLR- und spiegellosen Kameras zu finden, z. B. in der Canon R7 und 7D, R50v und Micro Four Thirds in kleineren, leichteren Kameras von OM-System (ehemals Olympus) und Panasonic.
Was ist ein APS-C-Sensor?
APS-C ist einer der Bildsensorgrößenstandards für Kameras mit Wechselobjektiv.
Der Name APS-C kommt daher, dass die Sensorgröße (ca. 24 mm x 16 mm) dem APS-C-Filmformat (Advanced Photo System Typ C) bei analogen Kameras ähnelt. Wichtig zu beachten: Da es keinen formalen Größenstandard gibt, variiert die Sensorgröße je nach Kamerahersteller leicht.
Beispielsweise haben Nikon (DX-Format) und Sony eine Sensorgröße von ca. 23,6 mm x 15,8 mm, während Canon eine Sensorgröße von ca. 22,3 mm x 14,9 mm hat. Dies wirkt sich übrigens auf den „Zoomfaktor“ aus: Bei Canon liegt er bei ca. 1,6, bei Nikon bei 1,5.
Was ist der Unterschied zwischen APS-C und Vollformat?
Es gibt Unterschiede zwischen APS-C und Vollformat hinsichtlich Sensorgröße, Blickwinkel, Bokeh, Dynamikbereich und Aufnahmen bei schwachem Licht.
Der Vollformatsensor misst etwa 35 mm x 24 mm, während der APS-C-Sensor etwa 23,6 mm x 15,8 mm misst. Dieser Unterschied beeinflusst das Aussehen und den Blickwinkel der Fotos, da das Licht vom Bildrand durch das Objektiv zum Sensor gelangt. Je größer der Sensor, desto flacher der Winkel.
Zoom
Dieser Größenunterschied führt zu der Wahrnehmung, dass APS-C-Sensoren auf ein Motiv „heranzoomen“.
Wenn Sie ein Motiv vom selben Punkt aus mit demselben Objektiv fotografieren, ist der erfasste Bereich mit einer APS-C-Kamera kleiner als mit einer Standardkamera. Dies liegt daran, dass der APS-C-Sensor kleiner ist als der Standardsensor und daher nur einen „Ausschnitt“ des vom Motiv und seiner Umgebung reflektierten Lichts empfangen kann, das durch das Objektiv fällt.
Infolgedessen sehen mit einer Kamera im APS-C-Format aufgenommene Bilder etwa 1,5-mal (Nikon) bis 1,6-mal (Canon) größer aus (manchmal auch als „Teleeffekt“ bezeichnet, da das Bild wie bei einem Teleobjektiv vergrößert erscheint).
Bokeh
Im Vergleich zum Vollformat erscheint der Bokeh-Effekt bei der gleichen Aufnahme mit einer Vollformatkamera größer als mit einer APS-C-Kamera. Dies liegt daran, dass der Sensor der APS-C-Kamera kleiner ist als der der Vollformatkamera, was zu einer größeren Schärfentiefe führt.
Die Schärfentiefe bezieht sich auf den Bereich, der in einem Foto scharf erscheint. Da der APS-C-Sensor einen tieferen Fokusbereich aufweist als der Sensor in voller Größe, erscheint die Unschärfe im Hintergrund geringer.
Dynamikbereich
Der vom Sensor erkennbare Helligkeits- und Dunkelheitsbereich wird als Dynamikumfang bezeichnet. Je größer der Dynamikumfang, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Weiß überbelichtet oder Schwarz unscharf wird, und desto schöner und gleichmäßiger können Hell-Dunkel-Unterschiede und Abstufungen (Töne) in einem einzelnen Foto dargestellt werden. Traditionell gilt: Je größer der Sensor, desto größer der Dynamikumfang.
Daher erzeugt der Sensor in voller Größe tendenziell schönere Tonwertabstufungen als der APS-C-Sensor. Denn je größer der Sensor, desto mehr Licht empfängt jeder Pixel im Sensor. Moderne Fertigungstechniken verbessern diese Wahrnehmung deutlich, sodass der Unterschied kaum noch wahrnehmbar ist.
Aufnahmen bei schwachem Licht
Bei Aufnahmen in dunklen Umgebungen wird die Belichtung oft durch Erhöhen des ISO-Werts sichergestellt, wodurch das Signal verstärkt wird. Wird der ISO-Wert jedoch zu hoch angesetzt, kann insbesondere in den Schatten Rauschen sichtbar werden, und zwar noch deutlicher, wenn diese Schatten bei der Nachbearbeitung aufgehellt werden.
Aufgrund der unterschiedlichen Größe kann der Vollformatsensor selbst bei gleicher ISO-Empfindlichkeit weniger Rauschen erzeugen. Aus diesem Grund liefern Vollformatkameras bei Aufnahmen mit hoher ISO-Empfindlichkeit an dunklen Orten mit höherer Wahrscheinlichkeit qualitativ hochwertige Bilder.
Welche Unternehmen unterstützen APS-C?
Kameras
Mehrere Kamerahersteller bieten Kameras mit APS-C-Sensor an. Zu den bekanntesten gehören Canon, Fujifilm, Nikon, Sony, Und PentaxBeachten Sie, dass es keinen Standardobjektivanschluss gibt. Jedes Unternehmen hat seinen eigenen entwickelt. Die Systeme für APS-C-Sensoren, wie z. B. die EF-S- und EF-M-Anschlüsse von Canon, die F- und Z-Anschlüsse von Nikon und der E-Anschluss von Sony, sind sehr unterschiedlich. Fujifilm verfügt außerdem über ein eigenes X-Mount-System für APS-C.
Objektive
Natürlich stellen die Kamerahersteller auch Objektive her, die zu ihren Kameras passen, aber es gibt einen wachsenden Markt für qualitativ hochwertige, wetterfeste Objektive von Unternehmen wie Sigma und Tamron, die günstiger und in manchen Fällen den Objektiven des Kameraherstellers sogar überlegen sind.
Welche Vorteile bringt APS-C?
APS-C-Kameras bieten mehrere Vorteile, insbesondere Kompaktheit, Erschwinglichkeit und Teleeffekt.
Größe
Aufgrund der reduzierten Sensorgröße sind APS=C-Kameras oft kleiner und leichter als Vollformatkameras und eignen sich daher ideal für Reise- und Straßenfotografie. Meine neu erworbene Canon R50v ist schmaler als meine Handlänge. Eine weniger imposante Kamera ist kaum vorstellbar.
Zoom-Effekt
Der Crop-Faktor erhöht effektiv die Brennweite von Objektiven und bietet eine Telereichweite für Motive wie Wildtiere und Sport.
Erschwinglichkeit
Aus finanzieller Sicht ist der Kauf einer APS-C-Kamera sinnvoller als der Kauf eines neuen Vollformatobjektivs, um die gleiche Brennweite zu erhalten.
Zum Beispiel die Sigma 16-300 kostet neu etwa 700 €. Bei einer Canon APS-C-Kamera hat es eine äquivalente Brennweite von (16-300) x 1,6 oder (25-480). In Bezug auf die Äquivalenz kostete meine Canon R5 II Vollformat ca. 3500 € und ein 100-500-mm-Objektiv weitere 3500 €.
Die Canon R7 Das kostete mich rund 1000 € und mein Sigma 16-300mm Superzoom weitere 700 €. Das ist ein beachtlicher Unterschied, selbst wenn man einen leichten Qualitätsverlust berücksichtigt. Allein dieser Faktor dürfte die Zukunft von APS-C sichern.
Was sind die Nachteile von APS-C?
Zu den wahrgenommenen Nachteilen zählen eine geringere Bildqualität bei schwachem Licht, ein reduzierter Dynamikbereich und ein Crop-Faktor, der das Sichtfeld reduziert.
Ein weiterer Nachteil ist, dass Objektive, die für APS-C-Kameras entwickelt wurden, nicht mit Vollformatkameras verwendet werden können, da das reduzierte Sichtfeld im Objektiv „eingebaut“ ist. Es macht keinen Sinn, Optiken zu entwickeln, die ein Sichtfeld projizieren, das größer ist als der Sensor, es sei denn, Sie entwickeln ein Tilt-Shift-Objektiv, das genau dieses Prinzip nutzt, um sowohl Tilt als auch Shift zu unterstützen.
Schlussfolgerung
Die Finanzlage garantiert APS-C praktisch eine Zukunft. Es kommt nicht selten vor, dass Unternehmen Produktlinien mit sinkenden Gewinnmargen einstellen, doch das Format ist weit verbreitet und der Nachrüstmarkt für Objektive ist so weit fortgeschritten, dass eine lange Lebensdauer gewährleistet ist.
Canon hat kürzlich die Spezifikationen seines RF-Bajonetts mit Sigma geteilt, um schnell weitere Objektive mit diesem Format auf den Markt zu bringen. Gerüchten zufolge soll es bald eine R7 Mk II und sogar eine G1x Mk IV mit APS-C-Sensoren geben.
Nachdem ich zufällig mehrere Kameras besitze, die dieses Format unterstützen, kann ich bestätigen, dass die qualitativen Unterschiede nur für das geschulte Auge wirklich erkennbar sind. Das einzig Negative, das ich anmerken kann, ist, dass ich beim Kauf meiner ersten Vollformatkamera, einer Canon 5D mk III vor über fünfzehn Jahren dachte, ich könnte mit der neuen Kamera bessere Bilder machen. Als Landschaftsfotograf hing das direkt mit dem reduzierten Sichtfeld zusammen.
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